Das schweizerische Kernenergiegesetz schreibt die dauernde und sichere Entsorgung der Abfälle durch geologische Tiefenlagerung vor. Zur Wahrnehmung dieser Aufgabe haben die schweizerischen Kernkraftwerk-Gesellschaften gemeinsam mit dem Bund im Jahre 1972 die Nagra (Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle) gegründet. Die Nagra mit Sitz in Wettingen ist für die Entsorgung der in der Schweiz anfallenden radioaktiven Abfälle und die damit verbundenen Forschungs- und Projektierungsarbeiten verantwortlich. Finanziert wird die Nagra durch sechs Genossenschafter. Die laufenden und künftigen Entsorgungskosten sind im heutigen Strompreis enthalten.
Was ist radioaktiver Abfall?
In der Umgangssprache wird radioaktiver Abfall oft als Atommüll bezeichnet. Besonders im Bereich der Kernspaltung sowie in Industrie, Medizin und Forschung wird viel mit radioaktiven Materialien gearbeitet. Im Umgang mit radioaktiven Stoffen entstehen Abfälle. Diese müssen sicher entsorgt werden. Unsere Umwelt und alle Lebewesen, die darin leben, verlangen nach Lösungen im Bereich der Abfallentsorgung, welche einen hohen und langfristigen Schutz garantieren. Denn radioaktive Abfälle sind potentiell gefährlich und müssen deshalb für die Dauer ihrer Schädlichkeit vollständig von unserem Lebensraum isoliert werden. Schnell wird klar, dass die Entsorgungsfrage ein heikles Thema darstellt. Insbesondere hochradioaktive Abfälle stellen eine grosse Herausforderung dar. Denn die Halbwertszeit vieler Substanzen verlangt nach einer sicheren Lagerung, welche mehrere Hunderttausend Jahre überdauern muss.
Was bedeutet Endlagerung?
Als Endlagerung wird die Entsorgung von Abfällen in einer speziell dafür angelegten Einrichtung bezeichnet. Aufgrund der langen Zeiträume, für die eine sichere Lagerung gewährleistet werden muss, stehen dabei unterirdische Lagerstätten im Vordergrund. So genannte geologische Tiefenlager werden tief im Erdboden angelegt. Bei der Standortwahl ist nicht zuletzt der Wasserdurchfluss sehr entscheidend. Zum Einsatz kommt dann ein Mehrbarrierensystem aus technischen wie auch natürlichen Barrieren, welche das Freisetzen der radioaktiven Stoffe verhindern.
Welche Standorte in der Schweiz kommen in Frage?
Anfang November 2008 hat die Nagra an einer Medienkonferenz
des Bundesamtes für Energie Standortgebiete für die Tiefenlagerung
von radioaktiven Abfällen vorgestellt, welche die vom Bund vorgegebenen
technisch-wissenschaftlichen Kriterien erfüllen. Für die
Lagerung der hochaktiven Abfälle werden die Gebiete Zürich
Nordost (mit Benken,
Marthalen und Trüllikon), Nördlich Lägeren und Bözberg
in Betracht gezogen. Die schwach- und mittelaktiven Abfälle könnten
ebenfalls in diesen drei Gebieten sowie in den Regionen Südranden,
Jura-Südfuss oder Wellenberg deponiert werden.